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Besser Schreiben Tipps

Weg mit blutleeren Abstrakta

Um Leser zu bewegen, müssen Autoren Blut in Ihre Texte pumpen. Nur konkrete Worte flößen Texten Leben ein. Warum sie so viel mehr Wucht entfalten als abstrakte Begriffe, erklären Hirnforscher mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie.

Friedrich Nitzsche ist nicht nur einer der einflussreichsten Philosophen der Menschheitsgeschichte, er war auch ein begnadeter Autor. Schreibern, die ihre Leser fesseln wollten, riet er: „Das Erste, was Not tut, ist Leben: Der Stil soll leben. (…) Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will, umso mehr muss man erst die Sinne zu ihr verführen.“

Wer diesen Rat befolgt, dient seinen Lesern in jedem Fall besser – egal, ob er über philosophische Fragen schreibt, oder über kommunale Verkehrsplanung. Ein Beispiel aus dem Lokalteil der „Süddeutschen Zeitung“:
„Der Münchner Verkehrsverbund legt Pläne zur Optimierung seiner Systembereiche vor.“

Abstrakte Sprache verhindert Assoziationen

Die Worte „Optimierung“ und „Systembereiche“ lassen die meisten Leser ratlos zurück. Weil es sich um abstrakte Oberbegriffe handelt. Der Autor kann diese Worthülsen mit seinem konkreten Wissen und sinnlichen Assoziationen füllen. Der Leser kann das nicht. Oder zeigt Ihnen Ihr Gehirn ein Bild, wenn sie „Optimierung“ denken oder „Systembereich“?

Das Problem ist einfach zu lösen. Der Autor muss nur konkret werden. Dann stünde da vielleicht:
„Der Münchner Verkehrsverbund will, dass seine Busse und Bahnen häufiger und pünktlicher fahren.“

Formulieren Sie so konkret, wie es geht!

Hirnforscher schieben Leser in Magnetresonanztomographen, um ihren Gehirnen beim Lesen zuzusehen. Auf einem an den Tomografen angeschlossenen Bildschirm leuchten jene Hirnareale auf, die beim Lesen beteiligt sind. Liest ein Testleser einen abstrakten Begriff, etwa „Systembereich“, flackert es kurz im Wernicke-Areal in seiner linken Hirnhälfte. Dort ordnet das Gehirn Symbolen wie Worten ihre Bedeutung zu. Im Fall des „Systembereichs“ war es das auch schon fast. Viel mehr passiert nicht im Gehirn des Lesers.

Ganz anders bei konkreten Wörtern: Präsentiert ein Hirnforscher einem Testleser „Busse und Bahnen“ oder einen „Baum“, bekommt er auf dem Bildschirm seines Tomographen ein wahres Feuerwerk zu sehen. Neben den für die Spracherkennung zuständigen Gegenden in der linken Hirnhälfte, feuern Nervenzellen an mehreren Stellen in der rechten Hemisphäre: dort, wo die Bilder gespeichert sind, die Gerüche, Geräusche und andere Sinneseindrücke.

Die Hirnforschung belegt übrigens, dass starke, aktive Verben Leser am stärksten bewegen. Keine andere Wortart schafft es, neben den genannten Hirn-Arealen auch noch jene Gegenden im motorischen Kortex des Lesers zu enervieren, mit denen er selbst trinkt, hüpft, pfeift, leckt oder lacht.

Steffen Sommer, Stuttart im Januar 2011

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Entspannt arbeiten Tipps

Das Notizbuch – eine externe Festplatte für Ihren Kopf

Jeder Journalist notiert sich Informationen, Aufgaben und Ideen. Die Frage ist nur, wo und wie. Denn während die einen jederzeit alle gewünschten Aufzeichnungen parat haben, verlieren sich andere im Chaos ihrer Zettelwirtschaft. Fünf Tipps, wie Sie Ihr Notizbuch optimal nutzen.

1. Beenden Sie den Papierkrieg

Vergessen Sie Post-Its und Blätter aus der Zettelbox! Wenn Sie Ihre Notizen in den Griff und Ihren Kopf frei bekommen wollen, brauchen Sie einen Ort für alle Aufzeichnungen. Mit anderen Worten: Kaufen Sie sich ein Notizbuch! Mindestens 100 Seiten stark sollte es sein, robust gebunden und nicht kleiner als Din-A-5. Vielleicht wollen Sie ab und zu einen Zeitungsausschnitt einkleben oder eine Skizze zeichnen. Dafür brauchen Sie Platz.

2. Bereiten Sie Ihr Notizbuch vor
Kleben Sie Ihre Visitenkarte auf die erste Seite Ihres Arbeitsbuches. Daneben schreiben Sie eine Botschaft für eventuelle Finder. Vielleicht so: „Ich brauche dieses Buch für meine Arbeit. Bitte melden Sie sich bei mir, falls Sie es finden. Herzlichen Dank“. Nummerieren Sie alle Seiten Ihres Notizbuches. Ziehen Sie jeweils links auf jeder Seite mit dem Lineal einen etwa fünf Zentimeter breiten Rand. Dieser linke Rand ist wichtig, er erleichtert Ihnen die Orientierung. Denn dort notieren Sie Kürzel, mit denen Sie Ihre Notizen näher beschreiben (siehe 3.). Die letzten Seiten Ihres Buches dienen als Inhaltsverzeichnis: Immer wenn Sie vorne etwas notieren, was Sie immer wieder brauchen werden, halten Sie hinten ein passendes Stichwort fest und im linken Rand daneben die Seite, auf der sich die entsprechenden Informationen befinden.

3. Definieren Sie eindeutige Kürzel
Überlegen Sie sich Kürzel, mit denen Sie einzelne Notizen voneinander unterscheiden. Etwa T! wie Termin, T wie Telefonat, eM wie E-Mail oder A wie Aufgabe. Unterschiedliche Prioritäten können Sie durch ein bis fünf Sternchen symbolisieren. Finden Sie eindeutige Kürzel, die sich selbst erklären. Zur Sicherheit notieren Sie alle Kürzel samt Bedeutung im Inhaltsverzeichnis Ihres neuen Arbeitsbuches.

4. Geben Sie Ihrem Buch einen festen Platz
Ihr Notizbuch wird Ihre Arbeit deutlich effizienter machen. Aber nur, wenn Sie es bei jeder Gelegenheit nutzen. Schlagen Sie es auf und positionieren Sie es so auf Ihrem Schreibtisch, dass Sie jederzeit die aktuelle Seite sehen und beschriften können. Auch wenn Sie unterwegs sind, sollte Ihr Notizbuch stets griffbereit sein.

5. Nutzen Sie ab sofort nur noch dieses Buch für Ihre Notizen

Halten Sie Gesprächsnotizen, Recherche-Ergebnisse, Aufgaben und Ideen – eben alles, was für Ihre Arbeit wichtig ist – ausschließlich in Ihrem neuen Arbeitsbuch fest. So können Sie sicher sein, dass Ihnen nichts durch die Lappen geht. Am Ende jedes Arbeitstages ziehen Sie einen Strich unter Ihre ufzeichnungen. Über diesen Strich notieren Sie das Datum des Folgetages. Haken Sie alle erledigten Todos ab. Unerledigte notieren Sie für den Folgetag unter der Linie. Termine übertragen Sie in Ihren Kalender. Experimentieren Sie ein bisschen. Sie werden sehen, bald können Sie sich nicht mehr vorstellen, jemals ohne Ihr Arbeitsbuch ausgekommen zu sein.

Steffen Sommer, Stuttgart im April 2011

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Entspannt arbeiten Tipps

Gut ist gut genug

Einer der größten und am weitesten verbreiteten Zeitfresser ist der Drang, alles bis ins letzte Detail zu perfektionieren. Das lähmt Ihre Kreativität und kostet Sie Gelassenheit und Selbstvertrauen. Diese fünf Strategien helfen, wenn auch Sie von der Perfektionitis befallen sind.

1. Objektivieren Sie Ihre Ansprüche an sich und andere

Wer arbeitet, macht Fehler. Und wer viel arbeitet, macht mehr Fehler. Machen Sie sich das bewusst und akzeptieren Sie es als ein Naturgesetz! Wer zwanghaft versucht, seine Arbeit fehlerfrei zu erledigen, muss scheitern.
Für Journalisten und andere Kreative gilt das in besonderem Maße. Denn übertriebener Perfektionismus erzeugt Angst. Und Angst bremst die Kreativität – bis hin zur Schreibblockade. Gehen Sie gelassen mit den eigenen Fehlern um und mit denen anderer. Fehler helfen uns, besser zu werden. Heißen Sie sie willkommen!

2. Delegieren Sie

Wenn Sie an Perfektionitis leiden, fällt es Ihnen schwer, Aufgaben abzugeben. Zwingen Sie sich ab und zu dazu! Delegieren Sie guten Gewissens und verlassen Sie sich auf Ihre Mitarbeiter und Kollegen. Natürlich müssen Sie kontrollieren. Aber übertreiben Sie’s nicht. Zu viel Kontrolle verunsichert und schadet mehr als sie nutzt.

3. Entlarven Sie vorgetäuschten Perfektionismus

Manchmal dient Perfektionismus als Vorwand. Etwa wenn ein Autor seinen fertigen Text viermal Korrektur liest, nur um sich vor einem unangenehmen Anruf zu drücken. In solchen Fällen geht es nicht darum, das Ergebnis der eigenen Arbeit zu verbessern, sondern schlicht darum, Zeit zu schinden. Vielleicht haben Sie dieses Phänomen schon an sich selbst beobachtet: Sie vertiefen sich in unwichtige Details, um andere Aufgaben aufschieben zu können. Entlarven Sie diesen Selbstbetrug! Wenn Sie merken, dass Sie etwas tun, nur um etwas anderes nicht tun zu müssen, gönnen Sie sich ein Päuschen. Danach stürzen Sie sich frischen Mutes auf die unangenehme Aufgabe. Je früher Sie diese vom Tisch haben, desto besser.

4. Reservieren Sie feste Zeiten für Routine-Tätigkeiten

Mails checken, Reisekosten abrechnen, den Schreibtisch aufräumen – solche Routine-Tätigkeiten kosten oft mehr Zeit als nötig. Vor allem, wenn Sie sie bis ins Detail perfekt erledigen wollen. Müssen Sie wirklich jede Mail durchlesen? Müssen Sie für Ihre Reisekostenabrechnung wirklich eine perfekt layoutete Excel-Tabelle erstellen? Geht die Welt unter, wenn Sie Ihre Kaffeetasse heute mal nicht spülen, bevor sie gehen? Legen Sie für solche Routine-Tätigkeiten bestimmte Zeiten fest. Sie könnten beispielsweise ab morgen die letzten zehn Minuten jedes Arbeitstages darauf verwenden, Ihren Schreibtisch aufzuräumen. Aber keine Sekunde länger!

5.Trainieren Sie, unpünktlich zu sein

Eines können Perfektionisten gar nicht ertragen: Unpünktlichkeit. Wenn Sie zu den besonders schweren Fällen gehören, erkennen Sie das daran, dass Sie zu jedem Termin eine Viertelstunde zu früh erscheinen. Das ist reine Zeitverschwendung! Ein guter Weg, übertriebenen Perfektionismus loszuwerden, besteht darin, sich in Unpünktlichkeit zu üben. Kommen Sie hin und wieder absichtlich zu spät! Was passiert? Vermutlich gar nichts.

Steffen Sommer, Februar 2011

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Sprachmarotten Tipps

Nachhaltig innovatives Geschwafel

Ich habe soeben eine wissenschaftliche Studie vollendet: Eine Viertelstunde lang habe ich auf www.open-pr.de unter der Rubrik „IT, New Media & Software“ nach Pressemitteilungen gesucht, die die Worte innovativ oder Innovation enthalten. Raten Sie, wie viele ich gefunden habe!

– EINUNDZWANZIG!

Die Pressemitteilungen handelten unter anderem von „innovativen Unternehmen“, „nachhaltig innovativen Produkten“, von einem „innovativen Multi-Channel Einkaufserlebnis“, einem „neuen innovativen B2B-Service für alle SAP-Lösungen“, einer „Innovation im Teleshopping“, einem „innovativen Multiplayer Modus“, „innovativen Headsets für das Office“, von irgend etwas, das „neben dem innovativen Charakter von RFID“ eine ganz besondere Rolle spielt, von einem „innovativen IT-Dienstleister“, einem „Award für innovative Unternehmen“, von „Ideen & Innovationen“, einem „innovativen Experten für Funk-Brandschutzmelder“ und davon, dass ein Karlsruher Software-Anbieter 30 Prozent seines Umsatzes „in innovative Produkte investiert“.

Offensichtlich mit großem Erfolg. Denn, wie man der gleichen Pressemitteilung entnehmen kann, wurde die Firma in den vergangen Jahren gleich mehrfach für ihr „Innovationsklima, Innovationsmanagement und ihren Innovationserfolg ausgezeichnet“. Eine unabhängige Jury kürte dieses sagenhafte Unternehmen sogar zum „Innovator des Jahres“! Völlig zu Recht, wenn Sie mich fragen.

Schade, dass ich für meine Studie nicht wie Karl Theodor zu Guttenberg auf die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zurückgreifen konnte. Nicht auszudenken, wie viel mehr Innovatives ich mit etwas Hilfe zu Tage gefördert hätte! Womöglich hätte es für eine Dissertation gereicht.

Steffen Sommer, Stuttgart im März 2011

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Sprachmarotten Tipps

Vergewaltigte Wörter

Manche Wörter würden schreien, wenn sie könnten. Zum Beispiel das Wörtchen elterlich. „Ich will kein Adjektiv sein!“, würde das kleine elterlich seinem Autor ins Gesicht brüllen. „Bitte, lass mich sein, was ich bin: ein strahlendes Hauptwort, ein wunderschönes Substantiv!“

Doch Wörter können nicht schreien. Und so schreiben viele Autoren dumpfe, grausame Sätze wie diesen: „Gustav übernahm den elterlichen Hof.“ Was spricht dagegen, es einfach so zu sagen: „Gustav übernahm den Hof seiner Eltern“?

Womöglich bereitet es manchen Schreibern Lust, einst stolze Hauptwörter wie „Eltern“, „Ort“ oder „Hand“ so lange zu quälen, bis aus ihnen schwache, verschüchterte Adjektive und Adverbien geworden sind, deren Winseln keiner mehr hört: elterlich, örtlich, händisch…

Bestürzend ist, dass derlei Misshandlungen sich nicht im Verborgenen zutragen, sondern unter den Augen der Öffentlichkeit auf Zeitungs- und Internetseiten. Zum Beispiel schrieb ein Feuilletonist der „Stuttgarter Zeitung“ einen Text zum hundertsten Geburtstag von Max Frisch. Darin dieser Satz: „Das Schild beseitigt letzte womögliche Zweifel jener, die Schriftsteller ausschließlich mit brüchigen Bücherrücken in Verbindung bringen.“

Abgesehen davon, dass kein Mensch dies je getan hätte, ist und bleibt womöglich ein Adverb, ein Wort, das Verben – Tunwörter – näher beschreibt. Es neben den Zweifel zu stellen, um diesen genauer zu erklären, ist Blödsinn.

Als Lena Meyer-Landrut zum zweiten Mal beim Eurovision Song Contest angetreten war, um ihren Titel zu verteidigen, schrieb hinterher ein Journalist: „Von den Fans in der Arena wurde der Auftritt mit großem Jubel und vielen schwenkenden Deutschlandfahnen begleitet.“

Wer sich Deutschlandfahnen schon einmal aus der Nähe angesehen hat, weiß, dass diese nichts schwenken können. Selbst, wenn sie es noch so sehr wollten – die schwenken nichts!

Steffen Sommer, Stuttgart im September 2011

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Sprachmarotten

Klischees so weit das Auge reicht

Sie wollen Reisejournalist werden? Nichts leichter als das. Sie müssen dafür nicht einmal verreisen. Alles was Sie brauchen, ist ein Internetzugang, eine Flasche Wein und eine Liste Phrasen, ohne die keine vernünftige Reisereportage auskommen kann.

Für den Wein (zur Inspiration) und den Internetzugang (schließlich müssen Sie recherchieren) müssen Sie selbst sorgen. Die Klischees liefere ich: Beginnen Sie Ihre Reportage in jedem Fall mit der Ankunft am Zielort. Wenn Ihnen kein Einstiegssatz einfällt, nehmen Sie diesen: „Nach soundsoviel Stunden landet die Fokker/Boeing747/der Airbus A310 auf dem Flugfeld von Wasweißichwo“.

Im nächsten Satz müssen Sie beschreiben, wie es mit der Luft aussieht: „Die Luft in Wasweißichwo dampft, ist erfüllt vom Duft der Kirschblüten, scheint zu vibrieren, ist irgendwie durchsichtiger als in München“.

Wenn Sie eine Städtereise schildern, machen Sie so weiter: „Wasweißichwo ist eine der spannendsten Metropolen/schläft nie/ist die quicklebendige Hauptstadt von Soundso und im Herzen der Stadt erstrahlt ein einzigartiges Ensemble.“

Steht die Natur im Vordergrund, sollten Sie diese für Ihre Leser erlebbar machen. Schreiben Sie von schneeweißen Stränden, azurblauem Wasser, atemberaubenden Sonnenuntergängen und von bizarren Felsformationen!

Apropos Felsen: Selbstverständlich revanchiert sich die Bergwelt in jedem ordentlichen Gebirgstext mit sagenhaften Ausblicken bei den Wanderern (noch besser: Gipfelstürmern).

Zum Schluss müssen Sie alles noch einmal zusammenfassen: „Faszinierend und beeindruckend zugleich ist das heutige Wasweißichwo mit seinen großen Städten, seinen pittoresken Dörfern in der Abgeschiedenheit ländlicher Idylle. Besonders lebendig wird das Land durch die Begegnung mit seinen gastfreundlichen Menschen.“ Prost!

Steffen Sommer, Stuttgart im April 2011

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Sprachmarotten Tipps

Der gute, alte Nominalstil

Bernd Wurm aus Frankfurt am Main hat eine interessante Software entwickelt. Sie heißt BlaBlaMeter und misst den Anteil heißer Luft in Texten.

Natürlich hat die FAZ diesen Geigerzähler des schlechten Stils sofort ausprobiert. Die Frankfurter Edelfedern hatten allerdings nicht den Schneid, dem „BlablaMeter“ gleich ihre eigenen Ergüsse zum Fraß vorzuwerfen. Satt dessen verabreichten sie ihm erst einmal Auszüge aus Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“, die Einleitung von Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit und das FDP-Parteiprogramm.

Mit 0,27 auf dem nach oben offenen Bull-Shit-Index schnitt Sarrazin mit Abstand am besten ab. (Guttenberg: 0,45; FDP:0,49 ). Nachdem die FAZ den „BlablaMeter“ mit dieser Auswahl an Texten mürbe gemacht hatte, veröffentlichte sie einen Beitrag darüber auf faz.net und ließ die Leser erleichtert wissen, dass dieser Online-Text mit 0,14 sogar besser dasteht als das Johannes-Evangelium (0,2).

„Hochwertige journalistische Texte liegen in der Regel zwischen 0,1 und 0,3“, konstatiert BlaBlaMeter-Erfinder Wurm. Die TAZ hat Wurm in einem Interview gefragt, woran sein digitaler Reich-Ranicki die Qualität von Texten festmacht.

Er nannte drei Faktoren: der „BlablaMeter“ zählt die Phrasen, die ein Autor drischt; er sucht nach Bandwurmworten, wie Politiker und Feuilletonisten sie lieben; und er fahndet nach Anzeichen für den Nominalstil.

Ach, der gute, alte Nominalstil! Jetzt hackt neben Ausbildungsredakteuren und selbst ernannten Sprachpäpsten auch noch der wurm’sche Blabla-Algorithmus auf ihm herum. Das hat der Nominalstil nicht verdient. Nehmen Sie zum Beispiel den Beipackzettel für das Schmerzmittel „Ibu 400 akut“! Unter Nebenwirkungen steht da: „Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen (…) sind nach Anwendung berichtet worden.“

Da. Nominalstil. Und? Plädiert hier im Ernst jemand für möglichst starke Verben?

Steffen Sommer, Stuttgart im November 2011

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Entspannt arbeiten Tipps

Prioritäten setzen mit Eisenhower

Der US-General und spätere Präsident Dwight D. Eisenhower galt als ein Meister des Zeitmanagements. Er schien mühelos alles zur rechten Zeit zu erledigen. Sein Erfolgsrezept: Er unterschied sehr genau zwischen dringlichen und wichtigen Aufgaben.

Eisenhower konzentrierte sich kompromisslos auf die Aufgaben, die für seinen Erfolg wichtig waren. Dadurch unterschied er sich von den meisten Menschen. Denn die meisten stürzen sich zuerst auf jene Aufgaben und Entscheidungen, die besonders dringlich zu sein scheinen. Dringliche Aufgaben kommen meistens von außen: Termine, die uns andere setzen. Todos, die uns andere aufbürden. Fragen, die uns andere stellen. Eisenhowers Geheimnis bestand darin, sich diesem äußeren Druck nicht zu beugen. Er bewahrte sich seine Unabhängigkeit und entschied nach eigenen Maßstäben, worauf er seine Aufmerksamkeit richtete.

Dazu pflegte er seine Aufgaben zu ordnen. Er unterschied sie nach zwei Kriterien: Sind sie wichtig oder weniger wichtig? Sind sie dringlich oder weniger dringlich? So gelangte er zu vier Kategorien von Aufgaben:

1. Aufgaben, die weder wichtig sind noch dringlich
Für Aufgaben, die in diese Kategorie fallen, hätte Ihnen Eisenhower folgenden Rat gegeben: Wegschmeißen! Ignorieren Sie sie einfach. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie nie wieder damit belästigt werden. Wenn irgendjemand will, dass Sie sich trotzdem mit dieser Sache beschäftigen, soll er sich wieder melden.

2. Aufgaben, die dringlich sind, aber nicht wichtig
Todos dieses Kalibers ließ Eisenhower andere erledigen. Mit anderen Worten: Er delegierte solche Tätigkeiten oder Entscheidungen an seine Mitarbeiter. Das entlastete ihn und motivierte sein Team. Das können Sie auch. Sie müssen sich nicht um alles selbst kümmern. Vielleicht machen Sie einem freien Mitarbeiter oder einem Volontär sogar eine Freude, wenn Sie ihn bitten, Sie bei einer dringlichen Besprechung zu vertreten oder kurzfristig eine Pressekonferenz für Sie wahrzunehmen. Beachten Sie aber, dass Sie niemanden über- oder unterfordern. Delegieren bedeutet nicht, dass andere für Sie die Kohlen aus dem Feuer holen oder die Drecksarbeit erledigen.

3. Aufgaben, die wichtig sind, aber nicht dringlich
Dieser Kategorie widmete Eisenhower die meiste Aufmerksamkeit. Denn in diesem Feld finden Sie die strategischen Entscheidungen und die Aufgaben, deren Erledigung Sie Ihren persönlichen Zielen näher bringt. Wann haben Sie Zeit, sich diesen Aufgaben mit der nötigen Ruhe und Energie zu widmen? Reservieren Sie feste und ausreichend große Zeitfenster dafür. Überlegen Sie, wen oder was Sie brauchen, um diesen Aufgabe optimal gerecht zu werden.

4. Aufgaben, die dringlich sind und wichtig
Falls Ihnen eine solche Aufgabe auf den Tisch kommt, gibt es nur eins: Erledigen! Sofort! Wenn Sie das Eisenhower-Modell für Ihr Selbstmanagement nutzen, werden solche Aufgaben immer seltener. Denn dann erledigen Sie wichtige Aufgaben, bevor sie dringlich werden. (siehe Kategorie 3!)

Steffen Sommer, Stuttgart im März 2011