Kategorien
Entspannt arbeiten

Tomaten gegen die Selbstausbeutung

Wir arbeiten am besten, wenn wir uns auf eine Aufgabe konzentrieren. Phasen der Erholung fördern die Konzentration. Dem wird niemand widersprechen. Und doch lassen wir uns ständig ablenken und gönnen uns viel zu selten eine Pause. Dagegen hilft in meinem Fall nur die Pomodoro-Technik.

Das Problem: Multitasking und zu wenig Pausen

Ich setze mich an meinen Rechner, um einen Beitrag für das Magazin eines Kunden zu schreiben. Kaum stehen die ersten Zeilen, klingelt das Telefon: ein Interviewpartner ruft wie versprochen zurück. 35 Minuten später lege ich auf. Noch bevor ich wieder in die Tasten hauen kann, meldet sich das Telefon erneut: Ob ich Zeit und Lust hätte, ein Seminar für seine Mitarbeiter zu geben, will ein befreundeter Agentur-Chef wissen. Klar hab ich Lust! Ich bedanke mich und blocke sofort drei Termine in meinem Kalender. Wo ich schon mal dabei bin, checke ich gleich noch meine Mails. Ob die Berliner mein Honorar endlich überwiesen haben? Ich schau schnell…

Es gibt viele Programme, die die Pomodoro-Technik abbilden. Auf meinem Rechner habe ich Pomodairo (kostet nichts) installiert. Dort kann ich meine Todos auflisten und dazu schreiben, wie viel Zeit (in 25-Minuten-Einheiten) ich jeder Aufgabe widmen möchte. Mir hilft´s.
Es gibt viele Programme, die die Pomodoro-Technik abbilden. Auf meinem Rechner habe ich Pomodairo (kostet nichts) installiert. Dort kann ich meine Todos auflisten und dazu schreiben, wie viel Zeit (in 25-Minuten-Einheiten) ich jeder Aufgabe widmen möchte. Mir hilft´s.

Wenn ich nicht aufpasse, laufen meine Bürotage in etwa so ab. Und vermutlich bin ich mit diesem Problem nicht alleine. Wie unproduktiv, teuer und gesundheitsschädlich dieser Multitasking-Wahnsinn ist, hat Anne Seith in einem ►Artikel für Spiegel-Online eindrucksvoll zusammengefasst.

Die Lösung: eine Küchenuhr

Der Italiener Francesco Cirillo hat herausgefunden, wie man dieser Hölle entrinnt. In den 80-ern litt er darunter, dass es ihm nicht gelang, sich auf sein Studium zu konzentrieren. Sobald er sich über seine Bücher beugte, wanderten seine Gedanken, oder seine Mitbewohner lenkten ihn ab. Irgendwann wurde es ihm zu bunt. Er stellte eine Küchenuhr (sie war aus Plastik und hatte die Form einer Tomate, ital.: Pomodoro) auf seinen Schreibtisch, stellte sie auf 25 Minuten ein – und beschloss erst mit dem Lernen aufzuhören, wenn die Uhr klingelte. Und siehe da: es klappte. Nach einer kleinen Pause wiederholte Cirillo diesen Ablauf. Die Pomodoro-Technik war geboren! Cirillo schrieb ein Büchlein über seine Methode und widmete ihr eine Website: www.pomodorotechnique.com. Inzwischen hat sich die Pomodoro-Technik über die ganze Welt verbreitet – bis hierher in mein kleines Büro unterm Dach unseres Reihenhäuschens. Ich nutze die Methode, seit ich sie zum ersten Mal ausprobiert habe. Denn sie hilft gegen die zwei Seuchen der modernen Arbeitswelt: das Multitasking und die Selbst-Überforderung durch pausenloses Schuften.

So funktioniert die Pomodoro-Technik:

  1. Schreiben Sie auf, was Sie heute erledigen wollen.
  2. Priorisieren Sie die Aufgaben auf dieser Todo-Liste.
  3. Stellen Sie einen Timer auf 25 Minuten ein – er muss nicht aussehen wie eine Tomate.
  4. Arbeiten Sie konzentriert an der ersten Aufgabe auf Ihrer Liste – bis die 25 Minuten um sind.
  5. Legen Sie 5 Minuten Pause ein. Pause bedeutet, dass Sie jetzt nicht über die Arbeit nachdenken!
  6. Stellen Sie die Uhr aufs Neue und arbeiten Sie weiter.
  7. Nach vier mal 25 Minuten (= vier Pomodoros), machen Sie eine Pause von 15 bis 30 Minuten.

Wichtig: Wenn jemand Ihren Pomodoro (eine 25-Minuten-Konzentrationsphase) stört, oder Ihnen ein wichtiger Gedanke kommt, halten Sie den Grund für die Unterbrechung fest und arbeiten dann weiter. Beispiel: Jemand ruft Sie an. Sagen Sie ihm, dass Sie jetzt keine Zeit haben, aber gerne zurückrufen. Notieren Sie, wann Sie zurückrufen werden und kehren Sie zurück zu Ihrer Aufgabe. Arbeiten Sie konzentriert weiter, bis die 25 Minuten vorbei sind. Den Anruf erledigen Sie später, in einem anderen Pomodoro.

Die Methode ist so simpel, dass sie bei mir auf Anhieb funktioniert hat.

Probieren Sie´s aus!

Kategorien
Sprachmarotten

Fußball pur!

 

Die Euro 2012 ist in die Geschichte eingegangen als das „Purpur-Turnier“. Denn ohne das Wort „pur“ ließe sie sich gar nicht denken. Schon Wochen vor dem Eröffnungsspiel verhieß „kurzurlaub-ballermann.de“ während der EM „Partystimmung pur“ auf Mallorca. Hoteliers im kroatischen Seebad Opatija versprachen, LCD-Fernseher aufzustellen, für „Fußball-Spaß pur“. Und in Münchner Biergärten, sollten die Gäste „Stadionatmosphäre pur“ erleben.

Emotion pur!

Vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft prognostizierte Portugals Ex-Star Luis Figo: „Das wird Emotion pur!“ Wie richtig er damit lag, zeigte sich, als Nani in der 93. Minute fast zum 1:1 ausgeglichen hätte. „Dramatik pur“ meldete der Live-Ticker auf „fr-online“.

Dramatik pur!

„Das ist Dramatik pur“ schrieb auch ein Redakteur von „news.de“– diesmal, um das Match gegen die Holländer anzupreisen. „Ein Spiel bei dem sich die Nackenhaare aufstellen, Emotion pur.“ Nach dem 2:1 für Jogis Jungs herrschte in einem Fußballforum mit dem Titel „Fußball pur“ nur noch Häme pur für die Niederländer. Als dann die Deutschen auch noch ihr drittes Vorrundenspiel mit 2:1 gewonnen hatten, titelte „Leipzig TV“ im Netz: „EM-Stimmung pur: Ganz Sachsen feiert Sieg der deutschen Mannschaft gegen Dänemark“.

Motivation pur!

Richtig ernst wurde es im Viertelfinale. „Focus.de“ zufolge verströmten die griechischen Kicker nämlich „Motivation pur“. Schon sorgte sich Alexander Kühn vom „Züricher Tagesanzeiger“, Angela Merkel könnte den griechischen Siegeswillen noch weiter anstacheln. „Wenn Sie beim Griechenland-Spiel auf der Tribüne sitzen, ist das Provokation pur“, schrieb er in einem offenen Brief an die Kanzlerin. Merkel kam trotzdem, sah das Spiel und siegte. „Jubel pur“ konstatierte der „Bonner Generalanzeiger“.

Frust pur!

Im Halbfinale sorgte Mario Balotelli dann dafür, dass Löw, Flick und Köpke auf der Trainerbank „Frust pur“ schoben (rp-online). Eine gewisse Genugtuung verschaffte uns am Ende einmal mehr die „Bildzeitung“, als sie ebendiesen Balotelli nach dem 0:4 im Finale „Tränen pur“ weinen ließ. Die EM 2012 ist Geschichte.

Am Sonntag steht Deutschland im Finale der Weltmeisterschaft 2014 – Gänsehaut pur!