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Füllwörter brauchen wir jeden Tag. In Ihren Texten sollten Sie sie trotzdem bis aufs Blut bekämpfen. Hier steht, warum und wie.

Sind wir uns einig, dass Füllwörter wie "richtiggehend", "quasi" oder "schlichtweg" in den allermeisten Texten in etwa so überflüssig sind wie die AfD im Bundestag? 

Dann stellt sich aber doch die Frage, warum der Füllwörter so viele sind und weshalb es sie überhaupt gibt. Focus online zählt in einer Liste von Füllwörtern immerhin über hundert Stück!

Als ich in Konstanz Verwaltungswissenschaft studierte, sind mir ein paar dieser Schaumschläger-Wörtchen sehr ans Herz gewachsen.

Und wie ich aus meiner Tätigkeit als Dozent an der Hochschule Karlsruhe weiß, würde sich auch die aktuelle Generation der Studierenden ohne Füllwörter viel schwerer tun, auf die für Hausarbeiten erforderliche Seitenzahl zu kommen.

Aber kann das der Grund dafür sein, dass die deutsche Sprache Wörter wie "nichtsdestoweniger" hervorgebracht hat? Damit wir damit inhaltsleere  Abhandlungen aufpumpen können?

Wozu Füllwörter gut sind – und wann sie nerven

Natürlich nicht. Die Funktion der Füllwörter ist eine andere. Wir brauchen sie, weil sie uns in Gesprächen Luft verschaffen. Dank der vielen nichtssagenden Worte, können wir reden, ohne etwas zu sagen. Das entspannt unser Gehirn.

Indem wir in unsere Rede ab und zu ein "irgendwie" einflechten oder ein "ohne weiteres" oder ein "voll und ganz", geben wir uns Zeit. Zeit, darüber nachzudenken, was wir als nächstes sagen könnten. 

Mark Twain

"Schreiben ist einfach. Man muss nur die falschen Wörter weglassen."

So gesehen sind Füllwörter ein Segen. Ohne Sie gerieten die meisten Gespräche schnell ins Stocken. Ganz zu schweigen von all den oft wenig informativen, dafür jedoch sehr unterhaltsamen Fernsehinterviews mit Politikern oder Sportlern.

Ohne Wörter, die nichts sagen, sind Talk-Runden wie "Hart aber fair" oder O-Töne von verschwitzten Fußballern unmittelbar nach Spielende undenkbar. Und – oh mein Gott – was nur täten unsere Influencer, wenn es die leeren Worte nicht gäbe?!

Um es noch einmal klar zu sagen: Wir brauchen Füllwörter. Jeden Tag. Zum reden.

Aber spätestens, wenn jemand seine Rede vom Blatt liest, hört der Spaß auf. Wenn uns Vorlesende mit Füllwörtern quälen, sollten wir sie vom Podium zerren!  

Hatten sie nicht genug Zeit, beim Verfassen ihrer Rede darüber nachzudenken, was sie uns vermitteln wollen? Heiße Luft vorzulesen, ist eine Unverschämtheit.

Formulierungen wie "...in diesem Zusammenhang möchte ich es nicht versäumen, einmal mehr darauf hinzuweisen, dass..." sollte niemand ungestraft vorlesen dürfen.

In Texten, die fürs Lesen bestimmt sind, haben Füllwörter nichts verloren

Komplett unerträglich sind Füllwörter in Texten, die dafür bestimmt sind, gelesen zu werden. So wie dieser hier. Bis hierhin enthält er kaum Füllwörter.

Das wiederum lässt sich nur allzu leicht ändern. Um richtiggehend nachzuweisen, wie störend sich jene sinnfreien Wörter zuweilen auswirken, wollen wir es auch hier an dieser Steller nicht unterlassen, ein paar davon gleichsam über diesen Text zu streuen.

Praktisch irgendwie um des schlechten Beispiels willen. 

Denn vielfach reicht es wiederum völlig, ein paar solcher Wörter in einen sozusagen voll und ganz überfrachteten Beispieltext zu pressen.

Sie, liebe Leserin, lieber Leser, werden dann doch wirklich gewissermaßen mit der Nase darauf gestoßen, dass Füllwörter samt und sonders weitgehend quasi unnötig sind.

Streichen Sie Füllwörter erst am Ende Ihrer Arbeit am Text

Der beste Zeitpunkt, Füllwörter zu streichen ist übrigens NICHT während Sie schreiben. Sondern hinterher.

Sonst fallen Sie sich beim Schreiben ständig selbst ins Wort. Wenn Sie jedes Wort schon beim Schreiben behandeln wie ein rohes Ei, werden sie ewig brauchen, bis sie eine Rohfassung Ihres Textes zustande kriegen.

Lassen Sie's fließen: Schreiben Sie so, wie sie reden würden! Die Amerikaner sagen: "Write a shitty first draft!" Erst anschließend, im Feinschliff, tilgen Sie all die Worthülsen, die Ihr Publikum nicht braucht.

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