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Viele Texte sind auf den ersten Blick kaum zu verstehen. Ein bisschen Wissenschaft hilft Ihnen, es ganz einfach besser zu machen.

Schwer verständliche Texte haben es schwer – Leserinnen und Leser meiden sie wie die Pest. Und Google kann sie auch nicht leiden.

Aber wie schreibt man so, dass andere einen mühelos verstehen?

Als ich mir diese Frage zum ersten Mal stellte, war ich überrascht, die hilfreichsten Antworten ausgerechnet in einem Lehrbuch deutscher Wissenschaftler zu finden.

An der Universität hatte ich nämlich die befremdliche Erfahrung gemacht, dass ich wissenschaftliche Theorien oft schneller begriff, wenn ich sie mir anstatt in meiner Muttersprache auf Englisch reinpfiff.

Bis heute machen mir amerikanische Wissenschaftstexte in der Regel mehr Spaß als deutsche.

Das liegt wohl daran, dass man es Forschenden in Amerika hoch anrechnet, wenn sie die Ergebnisse ihrer Arbeit  interessant und leicht verständlich präsentieren.

An deutschen Hochschulen gelten interessante und leicht lesbare Texte immer noch vielen als unwissenschaftlich. 

Ein bisschen bizarr ist das schon, oder? – Aber ich schweife ab.

Das Buch, von dem ich hier berichten will, heißt "Sich verständlich ausdrücken". Es ist 1973 zum ersten Mal erschienen und noch immer hilfreich wie am ersten Tag.

"Sich verständlich ausdrücken" – der Klassiker der Verständlichkeitsforschung

In diesem Longseller haben die Psychologie-Professoren Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun und Reinhard Tausch von der Uni Hamburg alles aufgeschrieben, was Sie wissen müssen, um die Lesbarkeit und Verständlichkeit Ihrer Texte zu verbessern.

Sie müssen dieses Buch nicht lesen. Fürs Erste reicht es völlig, wenn sie diesen Artikel bis zum Ende lesen.

Um herauszufinden, was die Lesbarkeit von Texten verbessert, traktierten die Hamburger Wissenschaftler Testleserinnen und Testleser mit verschiedenen Sachtexten.

Die Texte transportierten jeweils den gleichen Inhalt, waren aber unterschiedlich formatiert und unterschiedlich formuliert.

Eine Gruppe von Probanden schätzte ein, wie stark auf einen bestimmten Text bestimmte Eigenschaften zutrafen – zum Beispiel, ob er eher übersichtlich sei oder eher unübersichtlich.

Eine zweite Gruppe las die Texte mit dem Auftrag, sich möglichst viel vom Inhalt zu merken.

Je mehr Informationen die Testleser behalten konnten, so die Annahme der Forscher, desto verständlicher der zugrundeliegende Text.

Mit Hilfe einer Faktorenanalyse (das ist ein statistisches Rechenverfahren) identifizierten Langer, Schulz von Thun und Tausch vier Stellschrauben, an denen Sie drehen können, um die Lesbarkeit Ihrer Texte zu erhöhen.

Albert Einstein

Albert Einstein

"Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden."

Stellschraube 1: EINFACHHEIT erhöht die Lesbarkeit von Texten

Die erste dieser Stellschrauben ist die Einfachheit.

Wenn Sie verstanden werden wollen, müssen Sie es Ihren Leserinnen und Lesern einfach machen.

Hört sich banal an, oder?

Und trotzdem kriegen das ganz viele nicht hin.

Wahrscheinlich, weil ihnen der Mut fehlt, einfach hinzuschreiben, was es zu sagen gibt. Je mehr Zeit Sie an einer Hochschule verbracht haben, desto schwerer wird Ihnen das fallen.

Die hier beschworene Einfachheit hat drei Dimensionen: Inhalt, Wortwahl und Satzbau.

Einfachheit im Inhalt

Es ist ein weit verbreitetes Bedürfnis, in einem Text möglichst viel zum jeweiligen Thema zu sagen.

In der Schule sind wir damit prima gefahren.

Aber im richtigen Leben wollen Leserinnen und Leser so gut wie nie möglichst viele Informationen.

Oder hätten Sie gern noch mehr Informationen in Ihrem Postfach und auf Ihrem Schreibtisch?

Wir haben kein Problem mit zu wenig Informationen.

Das Problem ist, dass wir in Informationen ersticken!

Leicht verständliche Texte haben deshalb eine klare Botschaft.

Die Betonung liegt auf EINE!

Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Text eine Quintessenz hat, ein Ergebnis, das Ihr Publikum brauchen kann!

Stellen Sie sicher, dass Ihre Leserinnen und Leser diese zentrale Botschaft mitnehmen. Am besten schreiben Sie sie einfach drüber.

Im Fließtext liefern Sie nur noch die Informationen, die Ihre Leser wirklich brauchen, um diese Botschaft zu verinnerlichen. 

Einfachheit in der Wortwahl:

Niemand liest Silbe für Silbe. Wir nehmen ganze Wortgruppen auf einmal wahr.

Je schneller das geht, desto höher ist die Lesbarkeit des jeweiligen Textes und desto angenehmer ist er zu lesen.

Schnell geht es aber nur, wenn Sie Worte verwenden, die Ihren Leserinnen und Lesern ins Hirn flutschen.

Lesen Sie folgende Zeilen bitte so schnell Sie können!

Bei mchanen Weörrtn ist das gnaz encifah: Buam, Mhäedcn, Wrot oder Wrsut. Sieriwcgher wrid es, wnen der Txet Wertör ehätnlt, die ggeen das Gobet der Ecahnhefiit vtosßreen: Fäiswkrnutenüawhuncchsgngerfuhng zum Bspiieel oedr Kyonslikationgspomchumoe.

Merken Sie was? Um die Lesbarkeit Ihrer Texte zu erhöhen, sollten Sie einfache, möglichst kurze Wörter verwenden. Nicht nur, weil die leichter zu verstehen sind, sondern auch, weil sie viel schneller zu lesen sind.

Lange Wörter bremsen uns beim Lesen aus. Sie machen den Text zäh und ermüden das Publikum.

Schreiben Sie also nicht Gefahrenpotential! Schreiben Sie Risiko!

Und wenn in Ihrem Text Psychologie-Professoren vorkommen, vergessen Sie den Bindestrich nicht!

Einfachheit im Satzbau:

Um Fachbegriffe kommen Sie in manchen Texten nicht herum. Sofern Ihr Publikum aus Fachleuten besteht, ist das auch kein Problem.

Was Sie dagegen immer und für jedes Publikum vermeiden müssen, wenn Sie Texte von hoher Lesbarkeit produzieren wollen – das gilt sogar für Leserinnen und Leser mit mehreren Doktortiteln – sind Sätze (genauer gesagt: Schachtelsätze) wie diesen hier, der einen Nebensatz an den nächsten reiht, und sein Ende erst nach vielen Kommata, Gedankenstrichen und Klammer-Konstruktionen zu finden im Stande ist.

Kurt Tucholsky empfahl: "Hauptsachen gehören in Hauptsätze!"

Halten Sie sich an diese einfache Regel! Und schreiben Sie schnell!

Dann schreiben Sie ganz automatisch glasklare Sätze, die sofort zu verstehen sind.

Stellschraube 2: ORDNUNG erhöht die Lesbarkeit von Texten

Manche Texte kippen ihre Informationen und Argumente wie Kraut und Rüben vor ihrem Publikum aus.

Weil die Autorinnen und Autoren keine Ordnung in den Text gebracht haben, müssten die Leserinnen und Leser sich diese Mühe machen.

Machen sie aber nicht.

Wenn sie die Wahl haben, zum Beispiel als User im Internet, lesen sie wirre, schwer verständliche Texte einfach gar nicht.

An der Uni oder an unserem Arbeitsplatz haben wir oft keine Wahl: Wir müssen herausfinden, was uns der Text mit seinem Wirrwarr sagen will. Weil wir Noten dafür bekommen oder Schmerzensgeld.

Also suchen wir mühsam zusammen, was zusammengehört, um irgendwann zwischen den wahllos aneinandergereihten Gedanken vielleicht einen Krümel Sinn zu finden.

Wenn Sie schreiben, sollten Sie Ihren Leserinnen und Lesern diese Mühe ersparen.

Klären Sie, welchen Zweck Sie mit Ihrem Text verfolgen und wählen Sie für Ihre Gliederung das Strukturprinzip, das diesem Zweck am besten dient.

Sie kennen keine Strukturprinzipien für Texte? Wenn Sie regelmäßig schreiben, sollten Sie das schleunigst ändern. Sonst arbeiten Sie wie die Architektin, die keine Strukturprinzipien für Häuser kennt.

Struktur ist gut. Noch besser ist, wenn Ihr Publikum die Struktur Ihres Textes auf einen Blick erkennt.

Machen Sie die Gliederung Ihres Textes im Layout sichtbar!

Gönnen Sie jedem neuen Gedanken einen Absatz und jedem Gliederungspunkt eine Zwischenüberschrift. (Siehe Kasten!)

Stellschraube 3:  Prägnanz verbessert die Lesbarkeit

Die wahrscheinlich wichtigste Regel für guten Schreibstil lautet:

Mach's kurz!

Niemand ist Ihnen böse, wenn es schnell geht. Nur sehr selten denken Menschen am Ende eines Textes: "Och, Schade, schon vorbei!"

Für manchen Roman mag das gelten. Aber schreiben Sie Romane?

Ihre Leserinnen und Leser haben eines gemeinsam: Sie haben weder Zeit noch Lust, sich durch überfrachtete Texte zu quälen.

Lassen Sie deshalb alles Überflüssige weg!

Egal, ob Sie an einer Beschlussvorlage für den Aufsichtsrat sitzen, an einem Artikel fürs Mitarbeitermagazin oder an einer Gebrauchsanweisung – geizen Sie mit Worten, streichen Sie jede Silbe, die keinen Sinn transportiert! Machen Sie Füllwörtern den Garaus!

Ihr Text wird dadurch nicht nur schlanker, sondern auch klarer. 

Die Leserinnen und Leser müssen nicht erst all das Sprachgestrüpp wegschlagen, um zum Sinn vorzudringen.

GEorge Orwell

"Wenn es möglich ist,
ein Wort zu streichen – streiche es!"

Stellschraube 4:  Beispiele, Bilder und Grafiken verbessern die Lesbarkeit

Damit sind wir bei der letzten der vier Stellschrauben, mit denen Sie die Lesbarkeit Ihrer Texte erhöhen. 

Langer, Schulz von Thun und Tausch nennen diesen Faktor der Verständlichkeit "Anregende Zusätze" und meinen damit Beispiele, Bilder und Grafiken.

Ein Bild sagt oft tatsächlich mehr als tausend Worte. Das gleiche gilt für Grafiken – wenn sie gut gestaltet sind. 

Und ein abstraktes Thema wird sofort anschaulich und begreifbar, wenn Sie es mit Beispielen verdeutlichen.

Haben Sie mal versucht, einem Vierjährigen abstrakte Begriffe wie Natur oder Unwohlsein zu erklären? 

In so einem Fall werden Sie intuitiv Beispiele bringen: 

"Die Sonne, der Baum, die Wiese und das Eichhörnchen – das alles gehört zur Natur", werden Sie sagen. "Und Unwohlsein bedeutet, dass dir vielleicht der Kopf weh tut und du Bauchschmerzen hast."

Wenn Sie über abstrakte Themen schreiben, werden Beispiele, Bilder und Grafiken auch Ihrem Publikum helfen Sie besser zu verstehen.   


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